Geschichte des Kleingartenvereins „Einigkeit Greifswald e.V.“
In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden in vielen deutschen Städten Schrebergartenvereine und so war es auch in Greifswald, dass sich die ersten Vereine bildeten.
Der Schrebergartenverein " Anklamer Straße zu Greifswald", so lautete der Name unseres Vereins zunächst, zählte dazu und er wurde 1921 gegründet. Am 27. Februar 1922 wurde unser Verein ins Vereinsregister beim Amtsgericht Greifswald eingetragen. Der 1. Vorsitzende war der Lehrer Paul Reck, sein Stellvertreter der Werkmeister Otto Schaar-Schuh. Vor unseren Verein stehen lediglich der „Schrebergartenverein zu Greifswald“ vom 5. Dezember 1915 und die „Kleingarten-Vereinigung zu Greifswald" vom 26. Januar 1918 im Vereinsregister. Wir schätzen uns glücklich das Original des Kleingartenpachtvertrages und der Kleingartenordnung vom 1. Februar 1928 zu besitzen, welche für den Zeitraum vom 15. Oktober 1925 bis zum 14. Oktober 1945 Gültigkeit hatten. Aus den Eintragungen im Vereinsregister geht hervor, dass in den Jahren 1922 - 1936 der Vorstand im Gartenverein fast alle zwei Jahre wechselte. Wie aus einem Schreiben ersichtlich ist, wurde der Schrebergartenverein "Anklamer Straße zu Greifswald" bereits wenige Jahre nach der Gründung in Kleingärtnerverein „Einigkeit“ umbenannt und übernahm am 24. September 1936 auch die Mitglieder des Kleingartenvereins „Georgsgarten“. Der Vorsitzende war der Schmiedemeister Magnus Wurmsee, sein Stellvertreter hieß Richard Brendecke. Aus einem Nachtrag zum damaligen Pachtvertrag geht hervor, dass 1937 vom Verpächter einige Teilflächen für Heeresbauzwecke verkauft wurden. Dem Kleingärtnerverein „Einigkeit“ wurde dafür durch den Magistrat der Stadt Greifswald Ersatzland gegeben. Die Gesamtfläche der Kleingartenanlage betrug danach nunmehr 9,9 ha.
Während der Zeit des Faschismus, so wissen wir es aus der Geschichte, waren oft die Kleingärten Treffpunkt antifaschistischer Widerstandskomitees.
Nach 1945 war der Besitz eines Gartens für viele Familien eine Überlebenschance. Eine Eintragung im Vereinsregister des Amtsgerichtes Greifswald vom 21 . Oktober 1953 lautet:
„Die Vereinsakten sind durch Kriegseinwirkungen zerstört worden. Der Verein besteht nicht mehr und übt seit dem Jahre 1945 keine Tätigkeit mehr aus. Die Löschung des Vereins wird von Amtswegen vorgenommen.“ Mit der Gründung des VKSK, dem Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, im Jahre 1959, dessen Mitglied unser Verein bis 1990 war, trat eine Organisation ins Leben, die sich mit Ihren über 1,4 Millionen Mitgliedern zu einer starken, demokratisch zentralisierten Massenorganisation entwickelte. Wir möchten an all diejenigen Gartenfreunden erinnern, die mit viel Umsicht, Leidenschaft und Hingabe sich für unseren Verein einsetzten, denn wie bekannt, können noch einige wenige unserer älteren Mitglieder auf ein bewegtes Vereinsleben zurückblicken.
Das Gelände des Kleingartenvereins "Einigkeit " befand sich nach 1945, angrenzend an das Betriebsgelände des früheren VEB Kraftverkehrs, am Karl-Liebknecht-Ring. Wegen des Baus einer Durchgangsstraße wurden 1960 einige Gärten gegen Entschädigung aufgelöst. 1964 bis 1965 siedelte der Kleingartenverein „Einigkeit“ wegen des sich rasch entwickelten Wohnungsbaus zur damaligen Saarlandstraße (heute Hans-Beimler-Straße), Heinrich-Hertz-Straße und Südbahnhof um. 1968 wurde der Pachtvertrag durch die Stadtverwaltung Greifswald gekündigt. 1970 fassten viele Gartenfreunde des Vereins nochmals den Mut und zogen mit ihren Baumaterialien und jungen Bäumen auf unseren jetzigen Standort um. So manch einer der älteren Gartenfreunde und Gartenfreundinnen erinnert sich noch an diese, sicherlich nicht leichte Zeit. Wir können es sehr gut einschätzen, welche umfangreichen Arbeiten durch den Vorstand mit seinen Kommissionen beim Neuaufbau geleistet werden musste. Unvergessen bleiben jedoch die hohen Leistungen des damaligen 1. Vorsitzenden, Karl Berg, welcher von 1959 bis zu seinem Tod im Jahre 1982 die Geschicke unseres
Vereins leitete. In der Chronik unseres Vereins hat sein Name einen besonderen Platz eingenommen.
In kollektiver Arbeit ging es 1970 an die neue Aufgabe. Das vom Büro für Stadtplanung entworfene Projekt wurde mit der Unterstützung aller Mitglieder zweckmäßig, schön und produktiv verwirklicht. Die Handschrift unserer früheren Gartenfreundin und Projektantin Frau Delitsch ist unschwer zu erkennen. Sie projektierte nicht nur unser Vereinshaus sondern auch alle Nebenanlagen und den Vereinsplatz. Aber auch die Gartenfreunde Heinz Wahls , Gerhard Ziehm, Heiner Wittmann und viele weitere haben einen großen Anteil bei der Neuerrichtung unserer Kleingartenanlage. Auf dem 6,5 ha großen Gelände erhielten 1971 173 Kleingärtner und 25 Kleintierzüchter eine Parzelle in der Größe zwischen 250 – 450 m2. Mit großer Intensität begannen die einzelnen Gartenmitglieder, ihren neuen Garten aufzubauen. Gemüse- und Blumenbeete wurden angelegt, Beerensträucher und Obstbäume gepflanzt. Es entstanden die ersten Gartenlauben in der einheitlichen Größe von 24 m2. Der Kleingarten sollte in der Hauptsache der Erholung, dem Anbau von Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf dienen. Im Mittelpunkt stand aber die Gemeinschaft. So musste jeder Gartenfreund alljährlich eine Anzahl von gemeinnützigen Stunden für den Verein leisten. In den jährlichen Mitgliederversammlungen wurde die Höhe dieser Stunden beschlossen. Diese reichten je nach Gesundheitszustand des Mitgliedes von 5 bis 25 Stunden. Wer die geforderten Stunden nicht leisten konnte, wurde dann finanziell zur Kasse gebeten. Die geforderten Stunden waren auch erforderlich, um die vielen Aufgaben, wie z.B. das Anlegen der Haupt- und Nebenstraßen um das Vereinsgelände, dem Bau der Wasser-, Elektro- sowie der Drainageleitungen, das Anlegen des Außenzaunes mit Heckenpflanzung u.a. durchzuführen.Für alle dieser Arbeiten gab es abgestimmte Projekte. Eine weitere Besonderheit in unserem Vereinsleben waren die vom Vorstand organisierten und durchgeführten Aufkauftage für Obst und Gemüse zur DDR-Zeit. Das wöchentlich aufgekaufte Obst und Gemüse, z.B. Stachelbeeren, Johannisbeeren, Küchenkräuter, Äpfel, Pflaumen usw. übernahmen die Großküchen im KKW Nord Lubmin. Organisator und Durchführender war damals der Vorsitzende Heinz Kascha. Viele Kleingärtner verdienten sich damit ein gutes, kleines Taschengeld.
Stolz sind wir auf unser Vereinshaus, welches in der Zeit von 1975 bis 1976 mit der Unterstützung aller Mitglieder in Eigenleistung aufbauten. Die Schlüsselübergabe fand am 29.10.1976 statt.
Nach dem Beitritt der DDR zur BRD im Jahre 1990 hat sich auch das Kleingartenwesen in der ehemaligen DDR auf die neuen Bedingungen einstellen müssen. So wie sich das Leben in vielen Familien nach der Wende veränderte, so hat sich der Charakter eines Gartens ebenfalls verändert. Es galt nun das Bundeskleingartengesetz. Wer denkt heute noch daran, wie schwer es war, einen Kleingarten zu erhalten, an die jährliche Ausfüllung der Leistungskarten oder an die Wettbewerbskriterien zur Ermittlung des besten Kleingartens und der besten Tierhaltung im Verein. Diese Zeiten waren nun vorbei. Die Umstellung auf das neue System mit der neuen Gesetzlichkeit war für den damaligen Vorstand unter Leitung unseres jetzigen Ehrenvorsitzenden Heinz Kascha nicht leicht. Am 26. Juli 1990 wurde der Verein ins Vereinsregister des Kreisgerichts Greifswald als Kleingartenverein „Einigkeit“ e. V. Eingetragen. Es musste eine Satzung und eine Kleingartenordnung erarbeitet werden, die in den folgenden Jahren immer wieder durch Änderungen bzw. Ergänzungen angepasst wurden. Die heutige Fassung wurde am 23.03.2024 durch die Mitgliederversammlung beschlossen.
Der Kleingartenverein "Einigkeit Greifswald e.V." zählt heute mit einer Fläche von 9,18 ha, welche 173 Kleingärten und 38 Kleintierparzellen beinhaltet, und mit seinen 289 Mitgliedern, zu einem der leistungsfähigsten und attraktivsten Kleingartenvereinen unseres Kreisverbandes der Gartenfreunde. Eine wichtige Voraussetzung ist im Kleingartenwesen die Gemeinnützigkeit der Gartenvereine, die alle 3 Jahre verteidigt werden muss. Unser Verein hat im Juni 2024 die Gemeinnützigkeit durch die Hansestadt Greifswald und dem Kreisverband der Gartenfreunde Greifswald erneut erhalten.
Stolz sind wir auf unser kulturelles Leben im Verein. Es ist sehr vielseitig. Seit vielen Jahren organisieren wir:
die Fahrradtouren am 1. Mai
den Herrentag mit Frühschoppen
das Kinder- und Gartenfest
das Erntedankfest
den monatlichen öffentlicher Preisskat
zum Jahresende unseren Vereinspreisskat
unsere alljährliche Silvesterfeier für unsere Mitglieder und Gäste.
Unser Vereinshaus hat sich im Laufe der Jahre zum kulturellen Zentrum nicht nur im Gartenverein sondern auch für den anliegenden Stadtteil entwickelt.
Auch in unserer Anlage findet in letzter Zeit ein Generationswechsel statt. Viele Pächter und Pächterinnen müssen aus Alters- bzw. gesundheitlichen Gründen den Kleingarten abgeben. Wir begrüßen, dass bei jungen Familien immer mehr der Wunsch besteht, einen Kleingarten zu bewirtschaften und darin Erholung zu finden. Damit wird gewährleistet, dass die Geschichte unseres Kleingartenvereins weiter geschrieben wird.


